Kommentar von Peter A. Braun zum Abschluss der Verhandlungen der EU-Datenschutzrichtlinie und dem EU-weiten Flugpassagierdatenabkommen

Politik ohne Kompromisse ist nicht möglich. Das ist allen klar, die jemals mit politischen Verhandlungen zu tun hatten und sich die Mehrheiten für eine Entscheidung durch intensive Diskussionen erarbeitet haben. Aber ich glaube, dass wir gut beraten wären, wenn Themen nicht gegeneinander aufgewogen würden, die man besser nicht miteinander verknüpfen sollte. Hierzu zählen der Datenschutz, der einen Grundrechtsrang hat (ja, wir haben Anspruch darauf) und eine Regelung zu der Flugpassagierdatenspeicherung (PNR), die einen Spezialfall der Vorratsdatenspeicherung darstellt. Letztere ist bekanntermaßen in den bisherigen Ausführungen weder verfassungskonform noch EU-rechtskonform gewesen.
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Wieder ist damit zu rechnen, dass die Regelung einkassiert wird, denn PNR ist anlasslos. Alleine die Wahl des Verkehrsmittels entscheidet darüber, ob ich in diese Verdachtsdatenbank aufgenommen werde oder nicht, nicht etwa Tatbestände, die mich verdächtig machen und damit anlassbezogen zur Sammlung von weiteren Informationen führen.

In allen mir erinnerbaren Terrorfällen der letzten 15 Jahre hat sich bei Aufarbeitung herausgestellt, dass die Täter bekannt, vorher auffällig und damit verdächtig waren. Wenn die staatlichen Behörden in solchen Fällen Daten sammeln und speichern, so kenne ich niemanden, der eine verdachtsbezogene Datenspeicherung nicht zulassen will.

Und ganz nebenbei: wenn denn die Speicherung solcher anlasslosen Daten für die Aufklärung der Terrorfälle so wichtig wären, wie es aus Kreisen der Polizei und Dienste immer wieder heißt, dann wären die Innenpolitiker der EU und Deutschlands sicher gut beraten, endlich eine gesetzliche Regelung mit Hilfe des Parlamente zu verabschieden, die Grundrechtserwägungen stand hält und damit nicht wieder Gefahr läuft vor den Gerichten gekippt zu werden. Damit wären dann ein weiteres Mal die Daten der wirklich Verdächtigen wieder verloren. Denn Löschung einer Datenbank heißt alles und nicht nur Teile. (pab)

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