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In Reaktion auf die Verabschiedung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) durch das Bundeskabinett am 5. April 2017 bringt eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, netzpolitischen Vereinen, Bürgerrechtsorganisationen und Rechtsexperten ihre Sorgen um die Auswirkungen auf den öffentlichen Diskurs in Deutschland zum Ausdruck. In einer gemeinsamen “Deklaration für die Meinungsfreiheit” warnen sie vor den katastrophalen Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit, sollte das NetzDG vom Bundestag verabschiedet werden.

 


Die Unterzeichner sind der Auffassung, dass eine politische Gesamtstrategie notwendig ist, um das Aufkommen von Hassrede und absichtlichen Falschmeldungen im Netz einzudämmen. Sie erkennen an, dass Handlungsbedarf besteht, aber der Gesetzentwurf genügt nicht dem Anspruch, die Meinungsfreiheit adäquat zu wahren. Im Gegenteil, er stellt die Grundsätze der Meinungsfreiheit in Frage.

Die Deklaration findet man im Web unter http://deklaration-fuer-meinungsfreiheit.de


Zu den unterzeichnenden Organisationen zählen:

  • Amadeu Antonio Stiftung
  • Bitkom – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
  • BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e.V.
  • Bundesverband Deutsche Startups e.V.
  • Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.
  • Bundesverband IT-Mittelstand e. V. (BITMi)
  • Chaos Computer Club e. V.
  • cnetz – Verein für Netzpolitik e. V.
  • D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V.
  • Digitale Gesellschaft e. V.
  • DJV – Deutscher Journalisten-Verband e.V.
  • eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.
  • Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM)
  • Internet Society, German Chapter (ISOC.DE) e.V.
  • LOAD e.V.
  • Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.


Weitere Unterzeichner sind:

  • Dr. Ulf Buermeyer, LL.M., Vorsitzender der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF)
  • Dr. Frederik Ferreau, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität zu Köln
  • Jörg Heidrich, Rechtsanwalt
  • Prof. Dr. Jeanette Hofmann, Politikwissenschaftlerin
  • Prof. Dr. Thomas Hoeren, Rechtswissenschaftler
  • Prof. Niko Härting, Rechtsanwalt
  • Jan Mönikes, Rechtsanwalt
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Ingolf Pernice, Rechtswissenschaftler
  • Stephan Schmidt, Rechtsanwalt

LOAD e.V.: Heiko Maas will Facebook als Hilfssheriff

Bundesjustizminister Heiko Maas hat ein Gesetz zu Hate Speech und Fake News auf den Weg gebracht und bereits begonnen, den Entwurf heimlich in Brüssel zu notifizieren.  Minister Maas, der sich bereits als Befürworter der Vorratsdatenspeicherung hervorgetan hat, will Betreiber von Social Media Plattformen dazu zwingen, illegale Inhalte ihrer User ohne staatsanwaltlichen oder richterlichen Beschluss zu löschen.
Hierzu kommentiert Jimmy Schulz, Vorsitzender von LOAD e.V.: “Herr Maas will staatliche Aufgaben der Staatsanwaltschaft privatisieren. Private Unternehmen sollen feststellen, ob ein Text, Bild oder Video irgendeinem, der in der Liste genannten Gesetzen widerspricht. Das ist eine Bankrotterklärung des Staates, wenn er diese Aufgabe nicht mehr erfüllen kann. Dies wird dazu führen, dass die Unternehmen wie Facebook aus Angst vor Strafen sicherheitshalber mehr löschen als notwendig, um nicht dem Risiko hoher Strafen ausgesetzt zu werden. Das ist der Beginn vom Ende der Meinungsfreiheit im Netz, weil nur noch allerseits akzeptierte ‘politisch korrekte’ Aussagen veröffentlicht werden können.”

Uwe Probst, Gründungs- und Vorstandsmitglied von LOAD e.V. gibt zu Bedenken: “Wie soll dies in der Praxis umgesetzt werden? Bei Textnachrichten ist eine Vorabüberprüfung mit modernen Programmen vielleicht noch möglich. Aber wer wirklich Fake News und Hate Postings platzieren will, findet immer wieder Lösungen, um automatische Programme zu umgehen. Noch problematischer wird das bei Bild- und Videodateien. Von den schönen schnellen Onlinemedien wechseln wir wieder zurück in die prädigitale Zeit, wo eine Veröffentlichung einige Stunden und Tage gedauert hat.”

 

 

LOAD e.V. ist ein Verein für liberale Netzpolitik, der sich für den Schutz der Freiheit im Internet einsetzt. LOAD ist Denkfabrik und Interessenvertretung und fördert die aktuellen und zukünftigen Netzbürgerinnen und Netzbürger bei der Verwirklichung ihrer Grundrechte. Wir werden den gesellschaftlichen digitalen Wandel konstruktiv unterstützen. Unsere Grundwerte sind Freiheit, Eigenverantwortung und das vorurteilsfreie Interesse an Neuerungen.
Weitere Informationen unter www.load-ev.de
Pressekontakt:
Uwe Probst
Schriftführer

uwe.probst [at] load-ev.de

Einreichung der Verfassungsbeschwerde gegen die VDS

Am Montag, den 28. November 2016 hat Digitalcourage die Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung eingereicht. LOAD ist natürlich auch dabei. Die Berliner Rechtsanwältin Julia Hesse vertitt uns in Karlsruhe.

Foto: Tom Kohler CC BY SA 3.0 http://tomkohler.de

 

Bereits im Jahr 2010 hatte das Bundesverfassungsgericht über den Vorgänger der diesjährigen Vorratsdatenspeicherung zu entscheiden. Eines der Hauptargumente, die dieses Gesetz kippten war, dass eine Vorratsdatenspeicherung zwar noch möglich sei, es aber auf die Überwachungsgesamtrechnung ankäme. Die Frage, wie viele Überwachungsmaßnahmen es insgesamt gibt, spielte eine erhebliche Rolle. Wenn man sich nicht nur in die aktuellen Gesetzesänderungen anschaut, sondern auch wie weit die technische Entwicklung ist und welche anderen Überwachungsmaßnahmen bis heute beschlossen wurden, ist klar, dass diese Gesamtrechnung weit überzogen ist.

Die Verfassungsbeschwerde richtet sich auch daher bereits gegen die Erhebung der Daten. Denn – so argumentiert auch Julia – wecken Daten immer Begehrlichkeiten. Die Streubreite an Datensammlungen heutzutage wurden bereits von weiteren nationalen Verfassungsgerichten und dem Europäischen Gerichtshof als völlig unverhältnismäßig eingestuft.

Wir sind gespannt, wie es weiter geht mit der Klage und werden auf jeden Fall dran bleiben!

Blogeintrag von Digitalcourage: https://digitalcourage.de/blog/2016/klage-gg-vds-eingereicht

Text der Verfassungsbeschwerde: https://digitalcourage.de/sites/default/files/users/161/digitalcourage-verfassungsbeschwerde-gegen-vds.pdf

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Mit dem gestrigen Tag sind die Verträge der US Regierung mit der Internet Verwaltung ICANN ausgelaufen. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) koordiniert die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen im Internet, hat ihren Hauptsitz in Los Angeles/Kalifornien und unterliegt somit US-Rechtsprechung. Damit ist auch der letzte kleine Rest des Zugriffs des US-Handelsministeriums auf die Verwaltung des Internets Geschichte.

Dazu erklärt Jimmy Schulz, Vorsitzender des Vereins für liberale Netzpolitik – LOAD e.V.: “Nach jahrelangen Bemühungen ist es uns gemeinsam gelungen, diesen letzten, aber symbolisch wichtigen Schritt zu gehen. Das Internet verwaltet sich nun frei von einseitiger staatlicher Kontrolle völlig selbständig. Das ist eine gute Nachricht für alle Internetnutzer.”

Erneut angefacht wurde die Diskussion um die Unabhängigkeit des Internets durch die Veröffentlichungen von Edward Snowden. In der darauf folgenden Internationalen Diskussion wurde erstmals eine vollständige Unabhängigkeit von US-amerikanischer Seite angeboten. Versuche von Staaten, der UN, Unternehmen und zuletzt von Donald Trump, den Prozess aufzuhalten, konnten abgewehrt werden.

“Das ist die wichtigste Veränderung für das Internet seit vielen Jahren”, so Jimmy Schulz. “Man wird von dieser Änderung im Alltag nichts merken, zum Glück. Denn die neuen Verträge garantieren weiterhin einen reibungslosen Betrieb hinter den Kulissen. Jedoch hätte jede andere Entscheidung eine Nationalisierung des Internets zur Folge gehabt. Der Geist des Netzes ist jedoch frei und grenzenlos. Die Chancen, dass sich das Internet weiter als Motor der Freiheit entfalten kann sind damit gestiegen!” folgert Schulz, der die Debatte innerhalb der ICANN die letzten Jahre aktiv mitgestaltet hatte.

Die 1998 gegründete ICANN organisiert die Verteilung von Domainnamen und IP Adressen und ist damit wesentlicher Bestandteil der Internetverwaltung. Diese wird geleitet und kontrolliert von einer Art “rundem Tisch”, an dem alle Interessengruppen gehört werden und Stimmrecht haben. In diesem sog. Multistakeholder-Modell sind Unternehmen, Staaten, Verbände und Bürgerrechtsorganisationen ebenso wie die Enduser vertreten. LOAD engagiert sich seit Jahren in diesem Prozess als offiziell akkreditierte Organisation innerhalb der ICANN.

Der LOAD Vorsitzende Jimmy Schulz vertritt als einer von 15 stimmberechtigten Mitglieder im ICANN At-Large Advisory Committee (ALAC) die Rechte und Interessen der 3,5 Mrd Internet-Userinnen und User.


LOAD e.V. ist ein Verein für liberale Netzpolitik, der sich für den Schutz der Freiheit im Internet einsetzt. LOAD ist Denkfabrik und Interessenvertretung und fördert die aktuellen und zukünftigen Netzbürgerinnen und Netzbürger bei der Verwirklichung ihrer Grundrechte. Wir werden den gesellschaftlichen digitalen Wandel konstruktiv unterstützen. Unsere Grundwerte sind Freiheit, Eigenverantwortung und das vorurteilsfreie Interesse an Neuerungen.
Weitere Informationen unter www.load-ev.de
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Uwe Probst
Schriftführer
uwe.probst [at] load-ev.de

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Mit Bernd Schlömer hat die liberale Netzpolitik endlich wieder einen Parlamentarier. Seit 2014 bündeln sich unter der Leitung von Jimmy Schulz im Verein für liberale Netzpolitik die Befürworter weitestgehender Freiheit in der digitalen Welt.

Seit Sonntag gibt es nun das erste LOAD-Mitglied in einem deutschen Parlament: Bernd Schlömer wurde über die Liste Friedrichshain-Kreuzberg der FDP ins Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Schlömer war von 2012 bis 2013 Bundesvorsitzender der Piraten und ist seit 2015 Mitglied der Freien Demokraten.

„Wir gratulieren Bernd zur Wahl und freuen uns über den ersten LOADie in einem deutschen Parlament. Wir werden ihn in seinem Kampf gegen anlasslose Überwachung, mit sich selbst beschäftigter Senatsbürokratie und gegen die bürgerunfreundliche IT der Berliner Behörden unterstützen,“ verspricht Jimmy Schulz. „Bernd wird einen neuen Stil ins Abgeordnetenhaus einbringen. Wir schätzen seine sachliche, konstruktive und analytisch messerscharfe Art, mit der er netzpolitische Themen angeht.“

LOAD e.V. ist ein Verein für liberale Netzpolitik, der sich für den Schutz der Freiheit im Internet einsetzt. LOAD ist Denkfabrik und Interessenvertretung und fördert die aktuellen und zukünftigen Netzbürgerinnen und Netzbürger bei der Verwirklichung ihrer Grundrechte. Wir werden den gesellschaftlichen digitalen Wandel konstruktiv unterstützen. Unsere Grundwerte sind Freiheit, Eigenverantwortung und das vorurteilsfreie Interesse an Neuerungen.
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Netzsperren: EU-Parlament fährt Politik der Angst

Zur heutigen Pressekonferenz der Europaabgeordneten Monika Hohlmeier über die gestrige Abstimmung im Europaparlament zur Anti-Terrorismus-Richtlinie erklärt LOAD e.V.:

Mit großer Sorge nimmt der netzpolitische Verein LOAD die am Montag beschlossene Empfehlung des Innenausschusses des Europäischen Parlaments zur Kenntnis, unter Verweis auf terroristische Bedrohungen den Aufbau einer Internet-Überwachung voranzutreiben. In einem Richtlinienvorschlag der EU-Kommission hatte der im Parlament zuständige Justiz- und Innenausschuss Verschärfungen des ursprünglichen Kommissionsvorschlages empfohlen. Im nun folgenden sogenannten Trilogverfahren wird die Richtlinie zwischen Kommission, Rat und Parlament verhandelt, bevor sie dann vom Plenum des Europäischen Parlamentes und vom Rat abgesegnet werden muss.

Als eine der Massnahmen des Anti-Terror-Paketes soll Terrorpropaganda im Internet gelöscht werden. Sollte eine Entfernung nicht möglich sein, soll der Zugang zu den Inhalten blockiert werden, sprich: Es werden Netzsperren eingerichtet.

Die Damen und Herren Europaabgeordneten scheinen hierbei vor allem auf das politische Kurzzeitgedächtnis der Bürger zu hoffen, denn es war das Europäische Parlament, das sich in der letzten Legislaturperiode in der Debatte um den Umgang mit Kinderpornografie im Internet auf den Grundsatz „Löschen statt Sperren“ geeinigt hat. Damals war die Argumentation, Netzsperren würden das Problem der kinderpornografischen Inhalte im Internet nicht lösen – effizienter sei es, illegale Inhalte zu löschen. Warum dies nun bei terroristischer Propaganda anders ein soll, erschließt sich LOAD nicht.

Der LOAD Vorsitzende Jimmy Schulz kommentiert hierzu: „Wer für Netzsperren stimmt, der fordert unweigerlich den Aufbau einer Überwachungsinfrastruktur für eine Zensur des Internets. Das Europaparlament soll die in der Grundrechtecharta der EU verbrieften Grundrechte der Bürger schützen und nicht abwählen! Die EU instrumentalisiert die momentane Terrorangst, um einen Überwachungsstaat zu rechtfertigen. Der Druckaufbau auf das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten ist offensichtlich: Wer gegen die Überwachungszensur stimmt, leistet angeblich dem Terrorismus Vorschub. Man gewinnt Freiheit nicht, indem man sie einschränkt!“

LOAD appelliert nun an die Verhandlungsführer des Trilogs, die EU-Grundrechts-Charta zu respektieren, sonst wird die Netzgemeinde und Zivilgesellschaft die Richtlinie vom EuGH zerpflücken lassen.

 

LOAD e.V. ist ein Verein für liberale Netzpolitik, der sich für den Schutz der Freiheit im Internet einsetzt. LOAD ist Denkfabrik und Interessenvertretung und fördert die aktuellen und zukünftigen Netzbürgerinnen und Netzbürger bei der Verwirklichung ihrer Grundrechte. Wir werden den gesellschaftlichen digitalen Wandel konstruktiv unterstützen. Unsere Grundwerte sind Freiheit, Eigenverantwortung und das vorurteilsfreie Interesse an Neuerungen.
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Uwe Probst
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In Fürth haben die Betreiber von freien und kostenlosem öffentlichen WLAN den Stecker gezogen, nachdem Flüchtlingen aufgrund des WLAN das Taschengeld gekürzt wurde. Das freiwillige Angebot der Aktivisten von Freifunk wurde als Sachleistung auf das Taschengeld angerechnet. Den Flüchtlingen standen plötzlich 36 € im Monat weniger zur Verfügung. Die im Verein LOAD zusammengeschlossenen Netzpolitiker sind empört. Vorsitzender Jimmy Schulz kritisiert: „Ehrenamtliche Angebote dürfen nicht zur Minderung von Sozialleistungen führen. Sonst könnte man auch die Essensausgabe streichen, weil es im Ort eine Tafel gibt.“

Der Verein LOAD ist bundesweit für Freiheit und Sicherheit im Internet aktiv und unterstützt öffentlich und frei zugängliche WLAN. Viele Kommunen scheuen aufgrund der Risiken der Störerhaftung davor zurück, WLAN anzubieten. Die Freifunk-Initiativen sind eingesprungen und haben an vielen Orten schnell, unbürokratisch und ehrenamtlich WLAN-Angebote geschaffen. Oft auch mit finanziellem Einsatz der Helfer und Vereine. Daher ergänzt Vorstandsmitglied Uwe Probst: „Selbst, wenn es in der Flüchtlingsunterkunft einen staatlich finanzierten Internetzugang gibt, deckt dieser niemals den kompletten Kommunikationsbedarf. Kommunikation ist wichtig für die Flüchtlinge, die sich über die Lage in der Heimat, aber auch über Integrationsangebote informieren müssen.“ Die Anrechnung der Freifunk-WLAN auf das Taschengeld der Flüchtlinge sei daher sowohl für die Flüchtlinge nachteilig als auch ein Schlag in Gesicht für die vielen ehrenamtlichen Helfer, deren Arbeit nun nichtig gemacht wird.

LOAD fordert eine dringende Klarstellung von Sozialministerin Manuela Schwesig in dieser Sache: „Ehrenamtliches Engagement darf den Sozialstaat unterstützen, aber niemals ersetzen“, so Schulz.

Real Live Treffen in Köln

| 30.11.15 -- upr

Ergebnisreich und interessant war die 5. Mitgliederversammlung von LOAD vom 28. bis 29. November in Köln.

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Alte und erfreulicherweise auch einige neue Mitglieder diskutierten zu aktuellen und strategischen Themen der Netzpolitik und fanden sich aus teilweise kontroversen Positionen zu vielen guten Beschlüssen zusammen.

Satzungsänderungen

Nach der gemeinsamen Pizzabestellung zu Beginn des Treffens musste erst einmal der eher langweilige Formalia-Teil abgehandelt werden. Zwei Satzungsänderungen waren notwendig, um die Arbeit des Vorstandes zu erleichtern. So wurde der Vorstand in geschäftsführend und erweitert aufgeteilt und Vollmachten vereinfacht.

Vorratsdatenspeicherung

Und schon ging es um das erste aktuelle netzpolitische Thema, an dem zurzeit keiner herumkommt: Die Vorratsdatenspeicherung! Nachdem Bundestag und Bundesrat leider dieses unsägliche Gesetz beschlossen haben, galt es natürlich zu überlegen, was für LOAD jetzt zu tun ist, um für die Freiheit der Menschen zu kämpfen und die Aufhebung der Unschuldsvermutung wieder zurückzudrehen. Einstimmig wurde beschlossen, dass sich LOAD e.V. an einer der Verfassungsbeschwerden von digitalcourage gegen dieses Gesetz beteiligen wird.

Netzneutralität

Das nächste Thema war Netzneutralität. Hier wurde im vergangenen Monat eine neue EU-Verordnung beschlossen, zu der diverse Kommentare durch die Presse gingen. Die meisten Kommentare zeigte, dass wohl kaum jemand verstanden hat, was da beschlossen wurde. Deswegen hat Darija Bräuninger für uns eine verständliche Zusammenfassung präsentiert. In der anschließenden Diskussion war zu erkennen, dass es viele Varianten einer erstrebenswerten Netzneutalität gibt: Von der reinen Lehre über die Zulassung von bevorzugten Diensteklassen bis hin zu einem kompletten Vertrauen in die korrektiven Kräfte des Marktes. Das Thema ist noh nicht abgeschlossen und wird uns wohl noch öfter beschäftigen.

CCCO

Zum Abschluss des ersten Tages mussten wir noch unseren wichtigsten Job vergeben. Nachdem unser Chief Cat Content Officer in der Vorstandssitzung am Samstag Morgen seines Amtes enthoben wurde (er konnte leider den hohen Anforderungen seines Amtes in der Vergangenheit nicht gerecht werden), musste jemand Neues für diese verantwortungsvolle Aufgabe gefunden werden. Es stellten sich zwei Kandidaten zur Wahl. Hierbei unterlag Uwe Probst gegen das neueste LOAD-Mitglied Ann Cathrin Riedel. Letztere konnte mit einem reichen Erfahrungsschatz beim Posten von Katzenbildern punkten und schlug ihren chancenlosen Konkurrenten haushoch.

Mit einem ausführlichen Test der Kölner Gastronomie wurde dann der erste Abend gemeinsam beschlossen.

Sicherheit vs. Freiheit

Der Sonntag Vormittag war geprägt durch die Diskussion zu den Folgen der Pariser Attentate. Wie erwartet meldeten sich schon am Tag nach den Vorfällen Strafverfolger und Politiker zu Wort, die wie immer eine Verschärfung der Überwachung und die Einschränkung der Freiheit forderten. LOAD wird sich weiterhin für die Freiheit einsetzen und überall dafür werben. So ist u. a. für den Sommer eine Veranstaltung in München beschlossen worden, zu deren Details hier hier in den nächsten Wochen weiter berichtet werden wird.

Frankfurter Thesen

Beim Mitgliedertreffen wurde begonnen die Grundsätze von LOAD in Form der “Frankfurter Thesen” zu beschreiben. Dies konnte jetzt abgeschlossen werden (genaueres dazu folgt hier in den kommenden Tagen). Die Thesen hier in der Übersicht:
1. Liberale Netzpolitik setzt sich ein für Menschenwürde durch digitale Selbstbestimmung.
2. Liberale Netzpolitik setzt sich am Menschen orientiert ein für digitalen Fortschritt.
3. Liberale Netzpolitik setzt sich ein für digitale Aufklärung und Stärkung der demokratischen Gestaltung im digitalen Raum.
4. Liberale Netzpolitik setzt sich ein für einen freien und gleichberechtigten Zugang zum digitalen Wirtschaftsraum.

ALS bei ICANN

Wenige Tage vor der Versammlung hat LOAD die Bestätigung erhalten, dass wir jetzt eine ALS (At Large Structure) der ICANN (Verwaltungsorganisation des Internets) sind. Somit können wir uns in Zukunft aktiv bei der Gestaltung des Internets einbringen.

Cryptoparties

LOAD kümmert sich auch aktiv um die Information der Bürger zu netzpolitischen Themen. So sind bis Februar insgesamt 8 Cryptoparties in NRW, BW und RP geplant. Diese werden zusammen mit den Liberalen Hochschulgruppen und der Thomas-Dehler-Stiftung veranstaltet. LOAD-Mitgliedern zeigen interessierten Besuchern wie man zum Beispiel seine E-Mails verschlüsseln kann oder mit dem Smartfone abhörsicher telefonieren kann. Das ist alles einfacher als man denkt, aber man muss es einfach machen.

Sonstiges

LOAD wird sich auch weiterhin in der Öffentlichkeit mit netzpolitischen Aussagen präsentieren. So sind die Teilnahme an diversen Kongressen geplant und ein netzpolitisches Bier im April in Berlin.
Das nächste Mitgliedertreffen wird am 9. bis 10. April in Berlin stattfinden.

Wir bedanken uns ganz herzlich beim eco Verband der Internetwirtschaft e.V. für die kostenlose Zurverfügungstellung der super Räumlichkeiten und natürlich ganz besonders bei den beiden eco Mitarbeiterinnen dafür, dass sie ihr Wochenende geopfert haben, um uns die Büros aufzuschließen.

Im Juni 2015 fand die erste Lesung des von der großen Koalition geplanten Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung im Bundestag statt. Dies nahm LOAD e.V. zum Anlass, alle Abgeordneten des Bundestages in einem offenen Brief anzuschreiben.

Wir haben dazu aufgerufen, die neue Gesetzesinitiative wegen mangelnder Grundgesetzkonformität abzulehnen. Auf diesen Brief haben 19 Abgeordnete geantwortet.

Am 12. Juli haben wir beschlossen, alle bis dahin eingegangenen Antworten der Abgeordneten veröffentlichen zu wollen. Wir haben daher alle Abgeordneten, die geantwortet haben, angeschrieben und um ihre Zustimmung zur Veröffentlichung gebeten.

Wegen der Ferienzeit hat es ein wenig gedauert das entsprechende Votum einzuholen.

Wir möchten dabei festhalten, dass wir alle Antworten veröffentlichen, unabhängig von ihrer Meinung oder ihrer Parteizugehörigkeit. Alleiniges Kriterium sind der Stichtag und die Zustimmung zur Veröffentlichung.

Wir möchten allen Damen und Herren des Deutschen Bundestages für ihre Aufmerksamkeit danken – und natürlich besonders denen, die uns geantwortet haben. Vielen Dank!

Peter A. Braun
(LOAD e.V. – Stellv. Vorsitzender)

Luise Amtsberg, B90/GRÜNE

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Dr. Dieter Dehm, DIE LINKE

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Dr. Ute Finckh-Krämer, SPD

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Andrej Hunko, DIE LINKE

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Ulrich Kelber, SPD

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Katja Kipping, DIE LINKE

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Michael Kretschmer, CDU

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Daniela Kolbe, SPD

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Ralp Lenkert, DIE LINKE

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Dr. Konstantin von Notz, B90/GRÜNE

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Tabea Rößner, B90/GRÜNE

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Heute hat das Bundeskabinett die Vorratsdatenspeicherung beschlossen, trotz massiver Kritik von Journalisten, Anwälten, Datenschützern und Branchenverbänden.

Noch immer blockieren Nachrichtendienste und Regierung die Aufklärung der NSA/BND-Affäre. Trotzdem wird mal eben so eine weitere Maßnahme zur Massenüberwachung eingeführt.

Aus der 2/3-Mehrheit folgert Mutti, dass von nun an 2+2=5 ergibt. Damit sich ja kein Widerstand gegen diese Neuinterpretation der Mathematik und des Grundgesetzes formieren kann, wird die #VDS einfach im Schnellverfahren durchgepeitscht.
Schöne neue Welt.